Im Rausch oder Über die Begeisterung für wissenschaftliches Schreiben

Die letzten zwei Wochen waren nur auf dem Terminkalender »frei«. Tatsächlich war ich in letzter Zeit so oft in der Bibliothek wie lange nicht mehr. Und: Ich liebe es.
Ich hatte fast vergessen, wie großartig es ist, umgeben von Regalen und dem dunkelgrünen Teppich, der wahrscheinlich noch aus der Gründerzeit der Bibliothek (also aus dem 60ern) stammt, an einem der Tische zu sitzen, einen riesigen Stapel Bücher vor mir, und dann nach Beweisen für meine These zu suchen, hier zu blättern und dort nachzuschlagen, zu entscheiden, ob man dieses oder jenes Buch hinunter zum Kopierer schleppt …

Ich weiß, das klingt irre. Aber es macht riesigen Spaß!
Wer den letzten Kommentar auf meiner Seite gelesen hat, weiß, dass meine Begeisterung vom letzten Referat kommt, das ich gehalten habe. Nach jedem Referat gab es (wie üblich in Seminaren) Rückmeldungen von den anderen Teilnehmern; und es hagelte Lob und ehrliche Komplimente.

Seitdem habe ich wieder richtig, richtig Lust am wissenschaftlichen Schreiben gefunden, und die Tatsache, dass sich aus den letzten Semestern einiges angesammelt hat, macht mir keine Angst mehr, sondern ist der schieren Begeisterung gewichen, mich in den nächsten Monaten wirklich mit Themen beschäftigen zu dürfen, die mich interessieren, mich in den Diskurs einzubringen … Herrlich.

Wissenschaftliches Schreiben ist anders als Belletristik zu schreiben. Kurzgeschichten und Gedichte sind Herz, mit einem Teil für den Kopf, weil der Plot ja doch irgendwie geplant und durchdacht werden muss. Das meiste ist bei mir Herzblut, Gefühl, Intuition, sich-Hineinfallen-lassen-in-die-Geschichte-und-in-den-Protagonisten ….
Wissenschaftliches Schreiben ist genau umgekehrt: Kopf, mit ein bisschen Herzblut dabei. Der Kopf ist wichtig, weil ich akkurat und genau sein muss. Besonders wichtig ist es, die Argumentationslinie klar zu kriegen, Begriffe vernünftig zu definieren, damit der Leser jederzeit weiß, wo er gerade ist und wovon ich gerade spreche. Herzblut ist beigemischt, weil ich von dem, was ich schreibe, fasziniert und begeistert bin. Mittlerweile übrigens immer. Ich schreibe nicht mehr über Themen, die mich überhaupt nicht interessieren.

Wissenschaftliches Schreiben verschafft mir ähnliche Befriedigung wie eine gut laufende Kurzgeschichte: Ich stehe morgens auf, packe meine Sachen, fahre in die Uni, suche mir einen Platz zum Arbeiten und tauche ab.

Ich habe mich dafür entschieden, mit dem kürzesten Projekt auf meiner Liste anzufangen: Eine Arbeit zum Thema Reformation und die Rolle der Frau (bzw. die Funktionalisierung der Geschlechter durch und in der Reformation). Kann sich ja jemand was drunter vorstellen – wenigstens ansatzweise? Jedenfalls habe ich die letzten anderthalb Wochen damit verbracht, stundenlang an besagten Tischen zu sitzen, Sekundärliteratur zu sichten, zu kopieren und zusammenzufassen und mich langsam zu fragen, ob ich das alles wirklich auf der abgesprochenen Seitenzahl unterbringen könne …

Trotzdem: Der nächste Artikel kommt. Ehrlich. Und ich werde mich einem Thema widmen, das für jeden Autoren immens wichtig ist: Die Promotion seiner Bücher. Oder der Anthologien, in denen er vertreten ist. Schaut wieder rein …😀

P.S.: Heute, nach dem Gespräch mit der betreuenden Dozentin, dann das, was ich insgeheim schon vermutet hatte: Ich habe tatsächlich mehr abgebissen, als ich auf 15-20 Seiten durchkauen kann.:mrgreen:
Egal – hab ich halt einiges nur für mich gelesen. Das wird mich nicht umbringen. Die Arbeit wird jetzt einfach in abgespeckter Version geschrieben, und ich habe mehr Zeit für die anderen Themen, die anstehen. YEAH!

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