Protagonistische Geschlechtsumwandlung

Vor ein paar Tagen habe ich gelesen, dass die Protagonisten in Kinder- oder Bilderbüchern größtenteils männlich sind.
Überhaupt scheint dort immer noch die klassische Rollenverteilung zu herrschen: Mädchen sind meistens passiv, und die Jungs erleben die ganzen Abenteuer. Bei den Eltern bietet sich auch ein 50er-Jahre Bild: Mama kocht und putzt, und Papa kommt von der Arbeit.

Bei der Geschlechterverteilung in üblichen Kinderbüchern dachte ich nur : Naja, das ist ja alt.
Was mich aber wirklich überraschte, war die Tatsache, dass in Kinderbüchern, in denen es nur um Tiere geht, die Rate der männlichen Protagonisten noch höher ist. So um die 80%! Verrückt, oder? Ist mir vorher nie aufgefallen ….

Und als ich dann meine Kindergeschichten überdachte, die in der Tierwelt spielen, musste ich feststellen: Jo. Auch bei mir gibt es bis auf zwei Ausnahmen nur männliche Namen.

Und deshalb habe ich mich entschieden, den Protagonisten in »Vogel-frei« einer Geschlechtsumwandlung zu unterziehen. Der kleine Kater Krispin heißt also ab heute nicht mehr Krispin, sondern … Tja. Das muss ich noch überlegen.

Grüblerische Grüße …

P.S.: Angeregt durch den Artikel hatte ich anschließend eine hochinteressante Diskussion, in der es generell um Familienkonstellationen in Kinderbüchern geht (auch für Kleine). Und siehe da: Bücher wie »Willi Wiberg« oder die »Oma und Frieder«-Reihe von Gudrun Mebs warten durchaus mit alleinerziehenden (Groß-)Elternteilen auf …

P.P.S.: Wie viele Kinderbuchprotagonistinnen gibt es denn jetzt bei Kinderbüchern für Kleine? Ich kam auf zwei: Mama Muh und die kleine Hexe. Bücher wie »Pippi Langstrumpf«, »Die rote Zora« und »Hexe Lilli« hab ich mal rausgelassen, die sind ja auch schon zum Selberlesen … Weiß jemand noch mehr?

8 Kommentare

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8 Antworten zu “Protagonistische Geschlechtsumwandlung

  1. Mo

    Ronja Räubertochter.😄 Aber ja, ist auch zum Selbstlesen.

    Ich hab als Kind viele Märchen gelesen und vorgelesen bekommen. Da hat man häufig Mädchen in den Hauptrollen. Frau Holle, Schneewittchen, Schneeweißchen und Rosenrot, Aschenputtel, die Gänsemagd und wie sie alle hießen.

    Ansonsten fallen mir bei meinen Lieblingsbüchern aus meiner Kindheit wirklich fast nur männliche Hauptcharaktere ein. Find ich sehr interessant, hab darüber noch nicht viel nach gedacht.
    Allein die ganzen Janosch-Bücher, die ich immer so geliebt habe!

    Aber ganz persönlich habe ich schon damals lieber Geschichten gemocht, mit Jungs als Protagonist, einfach weil ich wusste, da wird es mehr Action geben und es ist mehr los und so „Mädchenthemen“ kommen da nicht so auf.

    Vielleicht schreibe ich auch deshalb bevorzug männliche Protagonisten. Aber ich schreibe auch eher Jugendromane, als Kindergeschichten. Aber sehr interessantes Posting!

    • Das stimmt, Märchen sind mir auch sofort eingefallen. Aber zumindest bei den deutschen Märchen ist es ja doch so, dass die weiblichen Hauptfiguren immer irgendwie „gut“ sein müssen – oder zumindest „nur schön“.😉 Aber es ist gut, dass du Märchen erwähnst, denn die sind ja nun wirklich, wirklich wichtig für Kinder.

      Aber bei Janosch – stimmt! Außer eben mal „die gute Tante Gans“.😉
      Und ich mochte Bücher mit Jungs auch lieber – genau aus dem gleichen Grund wie du!
      Denn was du ansprichst, stimmt auf jeden Fall: In Mädchenbüchern geht es ja dann meistens doch eher um „Jungs, Liebe und Eisküsse“, oder wie diese Buchreihen alle heißen … Und die Mädels da haben auch wenig andere Probleme als den peinlichen kleinen Bruder/die peinliche Mutter, etc. oder den süßensüßensüßen Typ aus der Parallelklasse, der aber leiderleider nieeeeeeeee wieder was von einem wollen wird, weil man das letzte Mal, als man ihm über den Weg lief, diesen GRÄSSLICHEN Pullover anhatte ….😉

      Dann lieber Jungs, da war wenigstens was los. Aber – ups! Jetzt war ich auch schon wieder beim „Selbstlesen“.

      Danke!

  2. Interessante Ueberlegung… ich kann mich da auch an „Allerliebste Schwester“ von Astrid Lindgren erinnern, ich denke, diese Autorin war wohl ziemlich unkonventionell, was Geschlechterrollen angeht.
    Dieses Buch zeigt aber, dass es auch mit Maedchen in der Hauptrolle fuer Kinderbuchverhaeltnisse spannend werden kann…

    • Danke, sternfisch!🙂
      Astrid Lindgren muss hier auf jeden Fall erwähnt werden, da hast du Recht. Gerade so Bücher wie „Lotta kann Rad fahren!“, oder „Die Kinder aus der Krachmacherstraße“. Und in den Bullerbü-Büchern sind Mädchen ja auch gleichberechtigt. Von Pippi Langstrumpf ganz zu schweigen (wobei das ja auch oft schon selber gelesen wird).😉
      Lindgren ist übrigens generell eine hochinteressante Autorin! Ich habe vor ca. zwei Jahren ein Buch mit Kurzgeschichten für Kinder in die Hände bekommen – und da waren auch ganz schön düstere und böse Sachen bei …
      „Allerliebste Schwester“ kenne ich allerdings noch nicht. Das werde ich mir aber beim nächsten Bibliotheksbesuch ausleihen.😀

  3. Robber! Der Wolf ist zwar männlich, aber das Mädchen, das ihn rettet, ein Mädchen halt.

    • Hi Inch!🙂
      »Robber« kannte ich erst gar nicht, dann hat irgendwas bei mir im Hinterkopf leise geklingelt … Ich habe mal auf diesem großen Buchportal geguckt – da gibt es nur das von Wolf Durian. Meinstest du das? Falls ja – dann wäre das wirklich fast schon außergewöhnlich! Wenn das Buch von 1964 ist …
      Danke! Schön, zu sehen, dass es auch schon früher die berühmte Ausnahme gab.😀

  4. Woah – erstmal danke euch dreien, für eure Kommentare! Bin momentan seeehr langsam mit den Antworten (Unikram) – DANKE!🙂

    Aaaber: Jeder hat seine eigene Antwort! Das war ich euch ja wohl schuldig.🙂

  5. Hallo notizbuchfragmente! Ja, ich meinte genau das von Wolf Durian. Das war mein Lieblingsbuch und steht auch heute noch in meinem Regal.

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