Was tun bei Ladehemmung? oder Durchgeblättert II

Es gibt mehrere Gründe, warum man nicht schreiben kann.

Erstens: »Mir fällt nichts ein.«
Das ist ein klassischer Fall von Schreibblockade. Sie tritt gerne mal auf, wenn man sich übermüdet an den Schreibtisch oder vor das Notizbuch setzt, viel zu viel auf einmal schreiben möchte oder jetzt sofort gleich etwas zu Papier bringen muss – zum Beispiel bei Hausarbeiten, die man zu lange aufgeschoben hat.😉

Bei einer klassischen Schreibblockade hat man zwei Möglichkeiten:
1.) Man lässt es für den Moment sein und tut etwas anderes, um sich selbst zu »entkrampfen«. Solange das nicht in monatelange Schreibabstinenz ausartet, kann das durchaus okay sein.
2.) Man verabschiedet sich von der Idee, jetzt sofort gleich im nächsten Moment etwas aufzuschreiben, das den Pulitzerpreis bekommen wird und fängt einfach an.

Ich persönlich bevorzuge die zweite Möglichkeit – aber ich weiß auch, dass es verdammt schwierig ist, dem innere Zensor den Saft abzudrehen, wenn er erst einmal ins Megaphon brüllt. (Wobei … Megaphone haben ja keinen Stecker …)

Zweitens: »Ich stecke fest!«
Das kann mehrere Ursachen haben. Meistens bedeutet es, dass (ich zitiere jetzt einen mir unbekannten Autor und habe auch vergessen, aus welchem Buch ich das habe oder obs überhaupt in einem Buch oder im Internet stand …) »etwas mit dem Protagonisten, dem Plot oder der Geschichte nicht stimmt«.
Aha.
Das habe ich auch schon ein paar Mal gehabt – und meistens hilft es mir dann, eine neue Dokumentenversion anzulegen (ich speichere meine Geschichten immer unter Nummern, die Rohfassung ist also 1.0, die erste Überarbeitung ist 1.1, die zweite 1.2 und so weiter …  Momentan variiert das noch und ich bin dabei, mir ein einheitliches und übersichtlicheres System zuzulegen).
In dieser neuen Version setze ich dann an dem Punkt an, ab dem es Theater gab – und probiere etwas ganz anderes aus.
Das kann auch durchaus mal dauern – für »Glasklar« habe ich ungefähr vier bis fünf Anläufe gebraucht.😉 Das Problem dabei war einfach, dass ich in der Rohfassung eigentlich in eine Charakterbeschreibung reingerutscht bin – und somit hatte ich zig Informationen über Markus (meinen Protagonisten), die für den Plot irrelevant waren.
Also – abspeichern und ausprobieren!🙂

Drittens: »Ich würd ja gern, aber …«
Auch hier kenne ich zwei Situationen, in denen dieses Problem greift.
1.) Man möchte gerne schreiben, aber der kleine Schweinehund hat keine Lust.
Das kennt jeder. Egal bei was. Ob man nun zeichnet, arbeitet, schreibt, bügeln, staubsaugen oder den Abwasch machen muss – wenn der kleine Schweinehund gerade keine Lust hat, dann kann es haarig werden.
Jeder geht mit diesem Problem anders um – die einen belohnen sich anschließend und motivieren sich so, andere zwingen sich einfach zur Selbstdisziplin.
Ich schreibe dann darüber, dass er keine Lust hat. Dass das tatsächlich funktioniert, finde ich faszinierend, aber es klappt tatsächlich – während der Vorbereitung auf eine wichtige Klausur zu Beginn des Semesters konnte ich Phasen, in denen ich kene Lust hatte, durch Schreiben überwinden.
War der Schweinehundtext erstmal fertig, dann ging es auch mit dem Lernen.
Dabei ist übrigens auch »Comics« entstanden.🙂

2.) Man weiß zwar, dass man schreiben will … Aber nicht, was. Das habe ich ganz oft, und meistens abends. Aus meinem »schreibenden Freundeskreis« hat niemand sonst das Problem, aber vielleicht kann sich der eine oder andere Leser damit identifizieren.🙂
Es kann vorkommen, dass ich (spät-)abends vor dem Laptop sitze und Lust habe, etwas zu schreiben.
Was genau, weiß ich nicht, ich spüre nur (im Bauch, für Detailfanatiker und Hobbypsychologen), dass ich schreiben will. Das kann zu einem echten Problem werden, denn ich habe schon einige Abende damit verbracht, vor einem Blatt Papier zu sitzen und – vergeblich – zu versuchen, »irgendetwas« hinzuschmieren. Gepaart mit einem hellwachen inneren Zensor funktioniert das überhaupt nicht. Mist.
Alternativ verbringe ich dann ein, zwei Stunden damit, alte, unfertige Texte anzulesen und zu gucken, ob sich die Lust einstellt, einen davon heute Abend zu Ende zu bringen …
Bisher enden diese Abende in Ratlosigkeit und einer kleinen Portion Frust.
Hat jemand eine Idee?

Passend dazu habe ich beim Durchblättern ein Notizbuchfragment gefunden – hier ist die Ladehemmung.🙂

Viel Spaß beim Lesen!

5 Kommentare

Eingeordnet unter Eigene Schreibe, Handwerk, Lesestoff

5 Antworten zu “Was tun bei Ladehemmung? oder Durchgeblättert II

  1. „Zweitens: »Ich stecke fest!«“:
    Eine Autorin, mit der ich längere Zeit zusammengearbeitet habe, hielt sich ein Rudel Brainstormer, die sie in solchen Fällen anrief, um über die Story oder auch völlig andere Dinge zu quatschen, bis die Glühbirne ansprang. Dass das funktionieren kann, merkte ich daran, dass ich zum Rudel gehörte und ihr u. a. die Handlung eines Jugendbuches rettete, als sie einen Hänger hatte.

    • Sowas ist auch immer klasse! Ich habe auch drei Leute, die in solchen Fällen immer alles »abkriegen«. Austausch ist denke ich sowieso ein absolutes Muss – genauso wie Testleser, die dann auch vernünftiges Feedback geben.

      Übrigens – Respekt für die Plotrettung! Solche Leute sind Gold wert.😀

      • Es kann und darf ja nicht ausschließlich nutzlos sein, eine etwas abgedrehte Fantasie zu haben. Sonst wäre das längst durch Evolutionsraster gefallen.

  2. Lars

    Interessante Herangehensweisen, die ich mir merken möchte.
    Übrigens, Sie haben eine interessante Seite hier und nun einen Leser mehr.
    Viel Erfolg!

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