Lesebericht der »Geisterhaften Grotesken« am 13.10.2010

Besser spät als nie: Die Uni hat wieder begonnen und ich werde in den nächsten Wochen erst wieder einen Rhythmus fürs Arbeiten, Studieren und Schreiben finden müssen. Daher kommt der Lesungsbericht auch eine Woche zu spät.😉
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Es ist der 13.10.2010. Noch bin ich gar nicht sonderlich nervös – die beiden Seminare an der Uni laufen gut und ich kann mich konzentrieren. Einigermaßen gut geschlafen habe ich auch.

Das ändert sich aber rapide, als wir ins Auto steigen. Sobald ich sitze, kriege ich leichte Kopfschmerzen und mein Magen krampft sich zusammen. Jetzt bin ich doch froh, dass ich mir nochmal die Zähne geputzt habe, obwohl ich wohl niemandem so nahe kommen werde, dass es auffiele, hätte ich wirklich noch einen Krümel zwischen den Zähnen.

›Was ist, wenn die die Geschichte nicht mögen?‹, denke ich. ›Die anderen lesen doch bestimmt schon ewig und können das wahnsinnig gut. Und ich – kommt das überhaupt an, so wie ich lese? Hoffentlich lacht mich keiner aus  … Ich hätte das doch noch ein paar Mal öfter lesen sollen, für mich … ‹
Ich weiß ja selbst, das ist kindisch. Aber ich kanns eh nicht ändern. Gegessen hab ich auch kaum was. Das ging dann doch nicht mehr.

Wider Erwarten gibt es kaum Stau auf der Autobahn nach Köln und wir erreichen Erftstadt sehr pünktlich. Immerhin, nichts ist schlimmer, als wenn man total nervös irgendwohin hetzen muss und sich absolut nicht auskennt.
Vor der Buchhandlung treffen wir Fabienne Siegmund, die Herausgeberin. Wir sind uns auf Anhieb sympathisch und die Nervosität verkrümelt sich höflich auf einen Platz ganz hinten im Bewusstsein, damit die Vorfreude sich schonmal in dem kleinen Buchladen umsehen und ganz vorne hinsetzen kann.

Der zweite Autor, »DerHank« ist auch schon da, und so quatschen wir drei eine Weile über die Anthologie, Ausschreibungen an sich, Lesungen (»…so fürcht‘ ich kein Unglück« ist ja nicht nur meine erste veröffentlichte Kurzgeschichte, ich habe ja auch heute mein Lesungsdebüt) , bis die Stühle um kurz vor halb acht besetzt sind. Witzigerweise haben bis auf zwei Leute alle das Buch gelesen und die meisten Besucher haben selbst an der Ausschreibung teilgenommen und das Buch schon zu Hause.

Dann geht es los. Fabienne stellt sehr  routiniert und freundlich die Anthologie und uns Autoren vor und erklärt kurz den Ablauf des Abends. Hank wird mit seiner Geschichte »Wasser, Gold und Blut« beginnen. Ich werde als zweite, vor der kurzen Pause, lesen da meine Story die kürzeste  ist.

Es ist gut, dass ich als zweite dran bin. Ich höre aufmerksam zu und lasse mich in  Hanks Geschichte fallen, merke dabei, wie ich weniger nervös werde und mich langsam auf den Moment vorbereite, in dem ich nach vorn muss.

Als es soweit ist, werde ich dann aber doch kribbelig.
Ich habe mir keinen Ausdruck gemacht, sondern werde direkt aus dem Buch lesen. Ich atme tief durch, denke daran, gerade zu stehen und fange an: »Die nicht. Die ist es auch nicht. …«

Es läuft. Die Leute hören zu, keiner lacht. Ich schaue zwar nicht ins Publikum, interagiere nicht (das werde ich noch lernen), aber ich verlese mich kein einziges Mal, lese so wie ich es geübt habe und es hört sich richtig an. Die Buchhandlung und die Leute verschwimmen um mich herum und ich versinke in der Handlung. Als ich wieder auftauche, bekomme ich lauten Applaus.

Während der Pause ernte ich erstmal Lob, auch von Fabienne. »Warst du nervös?«, fragt mich Hank und ich nicke und muss grinsen: »Aber die Protagonistin ja auch …«
Dann darf ich Bücher signieren – zwei von den Buchhändlern und Fabiennes Exemplar.. Auch das ist das erste Mal – und ein ziemlich geiles Gefühl.😉

Nach der zehnminütigen Pause liest Fabienne ihre Geschichte »Pantomimenflüstern oder Die gefährlichen Reflektionen von Paris«, und mir wird klar, dass wir alle drei heute Abend unterschiedliche Lesungsstile verkörpern. Hank konzentriert sich auf den Inhalt der Geschichte und lässt die Figuren wirken, ich versuche, Atmosphäre zu schaffen, indem ich die Stimmen ändere. Fabienne zaubert ihre Geschichte durch Gesten und Mimik ins Hier und Jetzt.

Nach der Lesung werden noch einige Fotos von uns gemacht – und jetzt erfahre ich auch, dass eine Besucherin die ganze Lesung mitgefilmt hat. Mann, bin ich froh, dass ich das erst jetzt weiß.😉
Besonders freut es mich, dass eine Dame noch extra auf mich zukommt:»Das war Ihre erste Lesung?«
»Ja, meine allererste.«
»Das war wunderbar vorgetragen. Wirklich. Ich fand es echt klasse.«

Die Heimfahrt läuft super. Ich bin froh und glücklich, denn ich hab es geschafft. Ich hab meine Story gelesen.

Hi,
sorry, dass ich dich heute in der Caféte nicht gegrüßt hab.Ich hab dich zwar gesehen, aber irgendwie bin ich nochn bisschen verpeilt und geistig noch nicht so wieder im Unialltag angekommen.

Soll nich wieder vorkommen.

Viele Grüße,
Julia.

3 Kommentare

Eingeordnet unter Lesungen

3 Antworten zu “Lesebericht der »Geisterhaften Grotesken« am 13.10.2010

  1. Danke für den schönen Bericht.
    LG Sylvia

  2. Mo

    Toller Bericht! Klingt, als wäre es ziemlich aufregend, vor allem aber auch schön gewesen! Das freut mich sehr für dich.

    Liebe Grüße,
    Mo

  3. Inga

    Sehr schöner Berichten, den man gut miterleben und -fühlen kann.
    Du sagst es richtig: Du hast es geschafft.

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